50 Jahre Kreativshop

Von | 24 Mai, 2026

50 Jahre Kreativshop – eine lange Zeit! Wir sind dankbar, dass wir dieses Jubiläum feiern können und wollen das mit einem Festwochenende am 20. und 21. Juni 2026 tun:

Am Samstag, 20. Juni 2026, laden wir ab 9:30 Uhr zu einem vielseitigen Programm auf den Kirchenplatz ein.

Am Sonntag, 21. Juni 2026, 10:45 Uhr feiern wir gemeinsam einen Festgottesdienst in der Christuskirche in Lauf.

Weitere Informationen findet ihr auf unserem Flyer

Wir freuen uns über jede und jeden, die/ der mit uns feiern möchten – ob langjährige Wegbegleiter oder Interessierte – kommt vorbei und blickt mit uns auf eine tolle Geschichte und in eine hoffentlich ebenso tolle Zukunft!


In 50 Jahren ist viel passiert, zu viel um auf alle Ereignisse und Beteiligten ausführlich eingehen zu können. Wir wollten trotzdem einen Einblick geben, wie alles anfing und was in den vielen Jahren passiert ist:

Wie alles begann

Die Geschichte des Kreativshop beginnt 1976 mit einer Gruppe engagierter Frauen. Im Gemeindehaus an der Christuskirche wurden zunächst unter der Leitung von Elvira Hofmann, später von Brigitte Schmauch, kunsthandwerkliche Produkte gefertigt und zu verschiedenen Anlässen verkauft.

Das Projekt

Mit dem Erlös des Verkaufs werden bereits seit Beginn die Christusträger Schwestern in Jujuy/ Argentinien unterstützt. Unter der Leitung von Schwester Bärbel Spiecker entstand zu dieser Zeit zunächst das Waisenhaus „Hogar del Sol“ (deutsch: „Haus der Sonne“). 1986 wurde die Kindertagesstätte „Arca de Noe“ („Arche Noah“) eröffnet, um viele weitere Kinder und ihre Familien, vor allem Mütter, umfangreich und nachhaltig zu unterstützen.

Im Briefaustausch berichteten die Schwestern regelmäßig vom Projekt, teilten sowohl positives wie auch Herausforderungen, die sich ihnen immer wieder stellten. Schwester Bärbel Spiecker berichtete bei ihren Heimatbesuchen auch vor Ort in Lauf von der Arbeit in Jujuy und bewunderte die neusten Produkte des Kreativshops.

Erste Produkte und Verkäufe

Von Anfang an wurde in vielen verschiedenen Techniken gearbeitet, die breite Produktpalette beinhaltete zum Beispiel patinierte Wachsarbeiten, Filethäkelbilder, Puppen, Plüschtiere und Marionetten, später auch Seidenkissen und Spankrippen. Und es wuchs nicht nur das Angebot, sondern auch der Kreis der Kunden. 

Jedes Jahr zum zweiten Advent wurden zur Kirchweih der Christuskirche die vielfältigen Produkte liebevoll im Gemeindehaus dekoriert und am Sonntag nach dem Gottesdienst zum Verkauf angeboten. Die vielen Besucherinnen und Besucher konnten sich neben dem Einkauf mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen stärken.

Daneben wurden viele weitere Gelegenheiten für den Verkauf an den verschiedensten Orten genutzt: das Laufer Altstadtfest, zu Gemeinde-, Dekanats- oder Sommerfesten oder nach Gottesdiensten. Seit 1991 ist der Kreativshop zusammen mit dem Laufer Eine-Welt-Laden zudem jährlich in der Bude Nr. 8 auf dem Laufer Weihnachtsmarkt vertreten.

Lange Jahre waren Töpferarbeiten ein wichtiger Bestandteil des Produktportfolios. Das vielen bekannte Relief am Pfarramt am Kirchenplatz, das die Kirchen und (zur damaligen Zeit) Gemeindehäuser der Kirchengemeinde zeigt, wurde 1993 von Kreativshop Mitarbeitenden gefertigt.

Über die Jahre gab es viele Sonderanfertigungen und -kollektionen:

Im Jahr 2000 wurden 150 Seiden-Krawatten auf Bestellung einer Firma gefertigt, im Jahr 2002 wurden die Laufer Pfarrerinnen und Pfarrer mit einer eigenen Fingerpuppenkollektion gewürdigt und der Posaunenchor erhielt zu seinem Jubiläum 2004 eine eigenen Kollektion Seidenkrawatten. Daneben noch unzähliger einzelner Unikate, die nach individuellen Vorstellungen gefertigt wurden.

Schwester Bärbel – ein Leben für „ihre“ Kinder

Am 24.07.2001 verstarb Schwester Bärbel Spieker im Alter von 65 Jahren. Aufgrund einer Krebserkrankung musste sie im Sommer 2000 zur Behandlung nach Deutschland kommen. Auch wenn ihr Wunsch, noch einmal nach Argentinien zurückzukehren, nicht mehr erfüllt wurde, löste ihr Tod auch dort große Trauer aus: christliche und nicht-christliche Radiosender meldeten diesen in den Nachrichten und Schwester Vreni berichtete, es sei fast, als ob eine ganze Stadt trauere.

Im Sommer 2013 wurde die Straße vor dem „Hogar del Sol“ in Jujuy/ Argentinien zu Ehren Schwester Bärbels in „Hermana Barbel Spiecker“ benannt.

Ihr Vermächtnis über ihren Tod hinaus, sind nicht nur die vielen Menschen in Argentinien und Deutschland, in deren Leben sie Spuren hinterlassen und denen sie ihren Glauben nahegebracht hat, sondern auch die Arbeit in Argentinien, die sie mit ihrer ganz eigenen und unvergleichlichen Art begonnen hat.

Diese Arbeit wurde von den Schwestern Vreni, Babett und Barbara weitergeführt. Und auch die Unterstützung des Kreativshop riss nicht ab.

Die Erfüllung eines Traumes

2006 wurde mit dem 30-jährigen Bestehen des Kreativshops ein kleiner Traum wahr: ein eigener Laden am Kirchenplatz im Herzen Laufs. Nachdem bis dahin der Verkauf stets an verschiedenen Orten erfolgte, was erheblichen logistischen Aufwand mit sich brachte, hat der Kreativshop nun einen festen Ort. Kunden können so neben den vielen weiteren Gelegenheiten ganzjährig zu regelmäßigen Öffnungszeiten einkaufen.

Linda Müller

Einen großen Anteil daran hatte auch Linda Müller, die viele Jahrzehnte die Leitung des Kreativshops übernahm. Neben den vielen organisatorischen Aufgaben motivierte und ermutigte sie Mitarbeitende und war so eine treibende Kraft für die Arbeit des Kreativshops. Neben ihren eigenen Kindern spannte sie als Lehrerin am Förderzentrum auch „ihre“ Klassen so manches Mal mit ein oder lud die Schwestern dort auf deren Heimatbesuchen ein. Im Jahr 2003 reiste sie zusammen mit ihrem Mann Werner nach Argentinien, um das Projekt und die Schwestern vor Ort zu besuchen. Der enge Austausch mit den Schwestern vor Ort war ihr immer ein Anliegen.

2010 verstarb Linda Müller nach schwerer Krankheit. Bis zu seinem Tod 2021 blieb ihr Mann Werner Müller dem Kreativshop weiter eng verbunden.

Nach Lindas Tod ging die Arbeit des Kreativshops weiter, die Verantwortung übernimmt seither Doris Feilner.

Übergabe und Weiterentwicklung

Im Jahr 2021 übergaben die Christusträger-Schwestern die Arbeite in Jujuy schrittweise an einheimische Mitarbeitende und den argentinischen Trägerverein „Portadores de Cristo“. Viele der Mitarbeitenden arbeiten bereits viele Jahre im Hogar oder der Kita und auch ehemalige Heimkinder unterstützen die Arbeit heute selbst. 2022 haben die letzten Schwestern Babett und Vreni Argentinien verlassen, der Christusträger Waisendienst unterstützt die Arbeit weiterhin organisatorisch und finanziell und der Kontakt und Austausch bestehen fort.

In den Jahren seither gab es beim Kreativshop neue Produkte, viele schöne Begegnungen mit Kunden, wertvollen Austausch mit den Christusträger Schwestern und Mitarbeitenden des Christusträger Waisendienst und auch die ein oder andere Herausforderung zu bewältigen.

Die Arbeit des Kreativshop war und ist in all den Jahren getragen von vielen Menschen: Mitarbeitende und ihre Familien, Unterstützern und Kunden. Alle, die ihren Anteil haben aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Dennoch sind wir dankbar für jeden, der ein Teil dieser Arbeit ist.

Linda Müller schrieb einmal: die eigentlich Beschenkten sind wir hier in Deutschland.